17.08.2012

Musik aus der Irrenanstalt

Bildquelle

Nach einigen Jahren und mehreren Tourneen  hat Emilie Autumn es endlich fertig gebracht ihr drittes Album zu veröffentlichen. Das gute Stück heißt "Fight Like a Girl" und ist wieder prall gespickt mit gestörter Psyche, Egomanie sowie feministischen Anspielungen.
Wie ich gelesen habe, handeln die Lieder hauptsächlich von Emilie's Erfahrungen in einer psychiatrischen Klinik, in die sie einst wegen eines versuchten Suizids gelandet sein soll. Weiterhin ist sie ja angeblich bipolar, also manisch-depressiv und habe die Erfahrung des sexuellen Missbrauchs gemacht (ein Lied vom Album "Opheliac" - "Gothic Lolita" - könnte davon handeln: You never did anything any man wouldn't do / I'm Gothic Lolita and you are a criminal).

Nun habe ich da leider zu kritisieren, dass es langweilig werden kann, wenn jemand immer und immer wieder von seiner Seelenpein singt. Laut den Krankenkassen sind seelische Beschwerden heutzutage der Hauptgrund für Krankschreibungen und vermutlich kennt jeder Leute, die schonmal irgendwie seelisch behandelt worden sind - also ist es ganz normal, psychisch krank zu sein. Gut, bipolar und sexuell missbraucht zu sein, ist sicherlich etwas anderes, als "bloß" eine soziale Phobie oder reaktive Depression zu haben, doch in die "Klapse" kann all das führen.
Und eben diese Klapse stellt Emilie in "Take The Pill" getreu dem alten, düsteren Klischee dar: Patienten werden mit Pillen vollgepumpt, um still zu sein und brav alles zu befolgen. Notfalls muss dann noch der Elektroschocker her halten. Dass das nicht alles so wörtlich gemeint ist, ist mir zwar klar, aber mit solchen Zeilen werden leider die Vorurteile blöder Menschen gestärkt.

Emilie's Wut auf die Männer und deren anhaltender Unterdrückung der Frau wird natürlich auch teils extrem zum Ausdruck gebracht (I’ll get my revenge on the world or a least 49% of the people in it aus "Fight Like a Girl" oder It has all to do with reproductive organs, which are naturally unstable in a dame aus "Girls! Girls"! Girls!"). Man sollte in ihren Titeln aber auch immer Anspielungen auf die strenge viktorianische Zeit vermuten, denn seit "Opheliac" hat sie einen starken Bezug dazu. Und sowieso ist Emilie Autumn eine Künstlerin, die stark dem Gothic-Bereich zuzuordnen ist - da sind düstere Darstellung und Morbidität einfach üblich.

Puuhhh, jetzt habe ich schon so viel dazu geschrieben! Am besten verschafft man sich selbst einen Eindruck vom Album, wie z.B. auf diesem Youtube-Kanal, wo die Albumtitel zum Reinhören hochgeladen worden sind.

Übrigens hier mein Favorit, ein relativ positives Lied, welches bewusst macht, dass eine jede Dunkelheit überwunden werden kann:



Du schaffst das, Emilie! ;)

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