17.11.2011

Buchtipp: Die Totenleserin

Nachdem ich mir bereits zwei der typischen Iny Lorentz-Mittelalterromane gegeben hatte und beim zweiten Titel von dem sich wiederholenden Muster gelangweilt worden war, las ich mit "Die Totenleserin" ein Ausnahmebuch dieses Genres. Zwar steht auch hier die starke, kluge Frau im Mittelpunkt und ein deutlicher Fingerzeig geht auf die damals eher satanisch anstatt christlich handelnde Kirche - dennoch verliert sich die Geschichte nicht so flach in feministischen Klischees.

Protagonistin ist die junge sizilianische Ärztin Adelia, lebhaft im 12. Jahrhundert, die auf das Erkunden von Leichen spezialisiert ist und mit ihren zwei Begleitern zur Aufklärung brutaler Kindermorde nach Cambridge in England geholt wird. Dort gibt es einen König, der von der scheinheiligen Kirche genervt ist, einen durchaus sympathischen Klosterprior sowie dessen minderbeliebte weibliche "Kollegin"; einen halbwegs selbstverliebten Streuereintreiber, der freundlicher ist als sein Beruf klingt; diverse unschuldige Juden sowie einen äußerst gehässigen Prediger, für den nach dem Mord des kleinen Peter direkt fest steht, wer ihn getötet hat.
Für die ungläubige Adelia, ihren jüdischen Freund Simon und dem moslemischen Eunuchen Mansur wird es in dem nicht nur klimatisch kühlen England nicht leicht. Doch mit viel Köpfchen und Risikobereitschaft gelingt es der Pathologin, die Mordserie aufzuklären.

Interessant finde ich in dieser Geschichte, dass die Grausamkeiten der Kreuzzüge deutlich herauszulesen sind. Ganz nebenbei erfährt man so, dass ein Haufen dummer Tölpel zum Abschlachten losgeschickt wurde, wo Menschen unterschiedlichen Glaubens zumindest im eine-Hand-wäscht-die andere-Verfahren miteinander klar kamen. Auch wird beschrieben, wie - wenn dem denn wirklich so war - Moslems, Juden und Christen in Sizilien friedlich miteinander lebten.

Für Krimifans als auch Freunde des historischen Romans, vielleicht auch noch den einen oder anderen CSI-Fan, könnte dieses Buch sehr interessant sein.

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