05.07.2010

Der Prinzessin-Boom

In den letzten Jahren sind mehr und mehr niedliche, rosa, glitzernde und "prinzessige" Dinge auf den Markt gekommen. Zwar gab es früher auch schon einiges an sehr mädchenhaften Spiel-, Deko- und Schreibwaren - allem voran immer die Marke Barbie, deren Protagonistin seit Jahrzehnten u.a. als

schillernde Prinzessin in die Regale kommt -, aber meines Erachtens nach hat die Masse an Girlie-Produkten zugenommen.

Es gibt mittlerweile sogar ein Disney-Magazin namens "Prinzessin", welches jeden Monat ein funkelndes Mädchen-Gimmick dabei hat. Natürlich ist "Prinzessin" nicht das einzige Heft seiner Art, was nur fair
ist, da es für Jungen auch eine beachtliche Reihe an zugeschnittenen Gimmick-Heften gibt (heutzutage längst nicht mehr so nerdig wie das gute alte YPS, sondern mit den Power Rangers, Spider-Man oder Bob dem Baumeister). Barbie und ihre Freundinnen treten
mittlerweile neben den Klassikern als prächtige Märchenfeen auf, die sich in computeranimierten Filmen mit viel Liebe für das Gute einsetzen. Damit auch die Mädchen sich wie eine Fee fühlen können, sind passende Kostüme längst nicht mehr nur Standard im Karnevalsgeschäft. So hat die Modeschmuck-Kette Claire's Diademe, rosa Puschel und Flügelchen stets im Sortiment.
Allgegenwärtig erscheinen mir die Artikel mit Disney Princess, die es neben Hello Kitty in fast jedem Billigladen zu kaufen gibt.

Wenn man bedenkt, dass sich heute so tatkräftig für die so genannte "Gender Theorie" eingesetzt wird, kann der Girlie-Boom wie ein Gegenwind wirken. Sind Mädchen vielleicht mehr Mädchen denn jeh? Dazu fallen mir auch die heutigen, zum teil sehr Mode- und schminkorientierten Teenager-Mädchen ein. Liefen meine Schulkolleginnen vor 10 Jahren noch in Schlabberpullis und mit vorsichtig getuschten Wimpern rum, sehe ich nun schon 13-jährige mit Komplett-Make-up, Pumps und Handtäschchen. Das Magazin der niedlichen Hello Kitty zählt nicht nur sie, sondern auch Frauen bis 38(!!) zu seiner
Avril Lavigne
Zielgruppe. Und es sind mitunter erwachsene Frauen, die mit rosa Handies telefonieren und die Muffin-Backmischung von Prinzessin Lillifee vernaschen.

Mich persönlich stört der rosarote Glitzerhype nicht. Ich mag Prinzessinnen, Feen und Mädchen in süßen rosa Kleidchen und besitze auch den einen oder anderen Girlie-Kitsch (allein meine HP-Designs...oh jeh :D) . Aber mich verwundert dieser Boom hinsichtlich der weiblichen Emanzipierung der letzten Jahrzehnte. Ist da etwas schief gelaufen? Sehnen sich Mädchen und junge Frauen nach mehr Weiblichkeit denn jeh? Oder werden wir heute, geprägt durch Medien, sanftmütigere Eltern und Berufsabschluss mit Mitte 20, so spät erwachsen, dass die eine oder andere von uns noch mit 30 ins Dornröschenschloss einziehen will? Vielleicht aber haben sich Emanzipation und überschäumende Lust am weiblich sein einfach nur gemischt. So bloggt die toughe Abteilungsleiterin in ihrer Freizeit über ihre duftenden Körperpflegeprodukte und Avril Lavigne schreit uns "hell yeah, I'm the motherf*cking princess" entgegen. Eine Aussage, die, würde sie emanzipierterweise den Vater beleidigen, den Nagel auf den Kopf träfe.

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